Antisemitische Angriffe auf ein Britzer Ehepaar im Umfeld der Hufeisensiedlung

11.11.2021 12:28 von Redaktion

Foto: SPhotography

Am Abend des 9. November folgten mehr als 150 Menschen in der Hufeisensiedlung dem Aufruf des DGB-Kreisvorstandes Neukölln, den Neuköllner Kreisverband der SJD „Die Falken“ und der Initiative „Hufeisern gegen Rechts“ gefolgt waren, um an den antisemitischen Terror des Jahres 1938 zu erinnern. Protestiert wurde ebenfalls gegen aktuelle antisemitische Übergriffe. Währenddessen ereignete sich allerdings in unmittelbarer Nähe der Hufeisensiedlung in der Gielower Straße eine antisemitische Straftat.

Wir gehen davon aus, dass das Hakenkreuz gezielt an die Fassade des Hauses gesprüht worden ist. Denn das Ehepaar war bereits vor zwei Wochen mit Tränengas durch die Gartenhecke besprüht worden – offensichtlicher Anlass für den bisher unbekannten Täter war die auf Hebräisch geführte Unterhaltung des Paares“, sagt der Sprecher der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“, Jürgen Schulte. „Die Schamlosigkeit des Täters zeigt sich daran, dass er ausgerechnet den Jahrestag der Reichspogromnacht als Tatzeit seiner antisemitischen Drohung ausgewählt hat“, so Schulte.

Hufeisern gegen Rechts“ befürchtet nun, dass es zu weiteren Angriffen auf die beiden Personen und das Haus kommt. Tatsächlich gibt es mehrere Beispiele aus dem so genannten „Neukölln-Komplex“, bei denen die in der rechtsextremen Neuköllner Szene zu verortenden Täter versuchten, Menschen durch wiederholte Angriffe zum Wegzug zu bewegen. So brannte in unmittelbarer Nähe des jetzigen Tatorts Anfang 2017 das Auto eines sich gegen rechte Politik engagierenden Gewerkschafters. Seitdem werde „sein Haus immer wieder mit Propagandadelikten überzogen, die zeigen sollen: Fühle dich nicht sicher, wir sind noch da und haben dich weiterhin im Visier. Hier soll Angst geschürt werden, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch im Wohnumfeld“, erklärt die Initiative.

Von der Polizei erwarte man eine zügige Aufklärung der Straftaten, mehr Sorgfalt bei der Untersuchung des Tatortes sowie eine genauere Analyse des Britzer Personenkreises, der in der rechtsextremistischen Neuköllner Szene verkehrt. Ferner erwarte man eine Kommunikation mit den Betroffenen, die die Ernsthaftigkeit der Aufklärungsbemühungen deutlich mache.

Es werde wieder einmal deutlich, dass die rechte Anschlagserie, die unter dem Begriff „Neukölln-Komplex“ zusammengefasst werde, nicht mit dem Jahr 2017 ende, wie es von Seiten der Ermittlungsbehörden und Senator Geisel behauptet werde, sondern auch in den folgenden Jahren bis zum heutigen Tag ihre Fortsetzung finde“, heißt es von Seiten von Hufeisern gegen Rechts“. Die Initiative solidarisiert sich mit den beiden angegriffenen Personen und sichert ihnen jedwede Unterstützung zu.

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