Beidseits von Auschwitz

08.05.2015 10:56 von Stephanus Parmann

Nachkommen von Verfolgten und Verfolgern berichten

 

2015 ist hinsichtlich der Gedenktage kein leichtes Jahr. Vor 70 Jahren wurde am 27. Januar 1945 Auschwitz befreit; Buchenwald am 11. April. Die Befreiung Deutschlands wird auf den 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation der Wehrmacht, terminiert. Noch im Februar 1945 verstarb Anne Frank im KZ Bergen-Belsen; am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg hingerichtet. Alles 70 Jahre her und doch noch so nah! Insoweit erscheint das gerade im Lichtig-Verlag erschienene Buch „Beidseits von Auschwitz“ äußerst aktuell. Dreißig Männer und Frauen geben einen persönlichen Einblick in ihre Lebensgeschichten und gehen der Frage nach, wie sich ihre Identitäten gebunden an ihre Herkunft entwickelt haben. Geprägt durch die Shoah stehen sie für die damit verbundenen Extreme: Nachkommen von Verfolgten auf der einen Seite und Nachkommen von Verfolgern auf der anderen Seite zu sein. Die AutorInnen, geboren zwischen 1935 und 1987, stammen aus verschiedenen Ländern Europas und aus Israel. Im Hinblick auf die Verfolgten und ihre Nachkommen steht die jüdische Seite im Fokus ergänzt durch den Beitrag eines Sinto und einen Beitrag aus dem Kontext des politischen Widerstands.Wie sich die Verbrechensbeteiligung ihrer Vorfahren auf ihr Leben ausgewirkt hat schildern Nachkommen von Tätern und Tatbeteiligten. Sechs der dreißig AutorInnen werden am Dienstag, den 12. Mai 2015, aus ihren Lebensgeschichten lesen und davon berichten, wie sie mit ihrem persönlichen Erbe umzugehen lernten, um ihre eigene und die historische Wahrheit erkennen und einordnen zu können.

Die musikalisch umrahmte Lesung in der Buchhandlung LEPORELLO in der Krokusstraße 93 in Berlin-Rudow beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 €; um Anmeldung wird unter 030 / 665 261 53 gebeten.

 

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