Bezirksverordnete gedenken an Auschwitz

29.01.2015 11:32 von Stephanus Parmann

Neuköllns Bezirksverordnetenversammlung gedachte der Opfer des Holocausts

Die „Entladerampe“, auf der die Transporte ankamen. Foto: Vberger/Wikimedia

Die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung hat in Anwesenheit des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky und der Bezirksstadträte in ihrer 36. öffentlichen Sitzung der Opfer von Auschwitz gedacht. Anlass war der 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Der Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin hat uns seine Rede freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dafür danken wir ihm und geben Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Rede im Wortlaut wider:

„Meine Damen und Herren, wir haben uns zwischen allen Fraktionen darauf verständigt, uns in Anbetracht des gestrigen Datums zu einem gemeinsamen kurzen Gedenken von den Plätzen zu erheben.

Gestern vor siebzig Jahren, also am 27. Januar 1945, wurde die Anlage des Konzentrationslagers Auschwitz von den sowjetischen Truppen befreit. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde 1941 drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I errichtet und ist bis heute der Inbegriff für die Shoa, wie der Holocaust auch benannt wird. Allein in Auschwitz wurden über 1 Million Menschen jüdischen Glaubens und weitere mehr als 100.000 Menschen aus anderen Gründen ermordet. Die Schätzungen könnten noch weit über den belegten Zahlen liegen. Auschwitz steht damit Schlechthin als Synonym für die im Holocaust mehr als 5,6 Millionen Opfer.

Der deutsche Nationalsozialismus zeigte sich hier mit seinem grässlichsten Gesicht. Wir alle wissen um die vielseitigen Ausprägungen der Gewaltherrschaft und seiner Opfer aus unserer Geschichte.

Wir alle sollten uns diese Geschichte immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen, auch wenn wir über heutige Geschehnisse urteilen. Damals haben aus berechtigter Angst unzählige Mitmenschen die Flucht ergreifen müssen um der Gefahr zu entgehen. Vor dem Hintergrund dieses finstersten Kapitels unserer Geschichte ist unsere heutige freiheitliche Grundordnung auf Basis einer demokratischen Verfassung aufgebaut worden. Dazu zählt unter anderem der Schutz eines jeden Menschen, egal welchen Glaubens, welcher Hautfarbe und anderer

Ausprägungen in der Person. Solange andere Menschen unserer Hilfe bedürfen, sollten sie diese auch erhalten, wie uns damals nach Ende dunklen Zeit auch andere geholfen haben. Blinder Hass und wütende Hysterie waren und sind damals wie heute die sehr schlechten Ratgeber wie wir gerade in der jüngeren Zeit wieder sehen müssen. Mögen deshalb aufgestachelte Wut und angezettelte Gewalt sowie Angst davor nicht mehr obsiegen, auch wenn heute vor dem Hintergrund grässlicher Gewalt mit der Unwissenheit und der Demagogie wieder politische Geschäfte gemacht werden, dass nicht nur mir übel werden könnte.“

Sie haben sich zu Ehren der Opfer der Gewalt erhoben, ich danke Ihnen!“

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