Neuer Behandlungsansatz für Hepatitis B ermöglicht Heilung

07.11.2017 07:43 von Stephanus Parmann

Prof. Dr. Thomas Berg, Foto: Uniersität Leipzig

Auf Grundlage von Einzelfallberichten haben Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin erstmalig einen neuen Therapieansatz im Kampf gegen Hepatitis B im Rahmen einer Studie geprüft. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin setzten im Rahmen einer kontrollierten Studie die Hepatitis B-Medikamente von Patienten ab, die schon seit vielen Jahren eine Dauertherapie erhalten. Das Ergebnis überraschte: Die Hälfte der Teilnehmer wies nach zwei Jahren ohne Therapie normale Leberwerte auf.  Rund  20 Prozent der Patienten waren sogar geheilt! Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im renommierten Journal of Hepatology veröffentlicht.

Hepatitis B zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge leideb etwa 240 Millionen Menschen an einer chronischen HBV-Infektion. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie inzwischen sehr erfolgreich: Die Virusvermehrung wird so meist komplett unterdrückt und das Risiko für eine Leberzirrhose und Leberkrebs wird deutlich gesenkt. „Allerdings begeben sich die Patienten in eine Dauertherapie und müssen lebenslang Medikamente einnehmen. Bislang traut sich niemand so recht, die Tabletten nach Jahren der Einnahme abzusetzen, weil man Reaktivierungen der Erkrankung fürchtet“, bemerkt Prof. Dr. Thomas Berg, Professor für Innere Medizin an der Universität Leipzig und Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Ein Forscherteam unter seiner Leitung hat dies nun gewagt: In einer Pilotstudie setzten sie die Hepatitis B-Medikamente bei Patienten ab, die mindestens vier Jahre in Therapie waren und nicht an einer fortgeschrittenen Erkrankung litten. Sie wurden engmaschig über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht. „Die Fallzahl unserer Studie war zwar nur klein, dennoch konnten wir zeigen, dass die Hälfte der Patienten auch ohne Therapie so stabil waren, dass sie keine erneute Behandlung benötigten. Rund 20 Prozent der Patienten hatten nach den zwei Jahren die chronische Krankheit sogar ausgeheilt“, fasst Berg die Hauptergebnisse der Studie zusammen. In der parallel laufenden Kontrollgruppe, die die Hepatitis B-Medikamente unverändert weiter eingenommen hatte, verlor niemand die Viren dauerhaft.

Von daher konnten Berg und sein Forscherteam zeigen, „dass ein Absetzen der mehrjährigen Hepatitis B-Therapie bei vielen Patienten zu einer vorübergehenden Reaktivierung der Hepatitis führen kann“. Das nun führte dazu, dass das Immunsystem „wahrscheinlich die Reaktivierung wie eine Neuinfektion“ bekämpft hat, erklärt Prof Dr. Berg die Zusammenhänge. Das bietet die Chance, dass der menschliche Organismus den Erreger alleinudn ohne weitere Medikamenteneinnahme bekämpft und letztendlich auch kontrollieren kann.  Nun muss in weiteren Studien geklärt werden, für welche Patientengruppen diese Form der Therapie in Frage kommt. Zugleich muss der Ertrag mit dem von neuen Therapeutika, die in Entwicklung sind, in Beziehung gesetzt werden. Vorteil des neuen Therapieansatzes: Er spart in jedem Fall unangenehme Nebenwirkungen und nebenbei auch Therapiekosten.

Zurück