Neuköllner Kunstpreis 2023

10.02.2023 17:29 von Redaktion

1. Preis für „Depot 2022-2023“,Foto: SPhoto

Die Entscheidung für die Verleihung des Neuköllner Kunstpreis ist gefallen – am 03. Februar sind bei vollem Haus im „Heimathafen“ die drei Geldpreise sowie der Sonderpreis der STADT UND LAND Wohnungsbaugesellschaft, in Form eines Ankaufs, vergeben worden. Dotiert sind die Auszeichnungen mit insgesamt 6.000 Euro. Von rund 180 Künstlerinnen und Künstlern, die in Neukölln leben und arbeiten, wurden Florian Bong-Kil Grosse, Friederike Hammann, Peter Hock, Silvia Noronha, Katharina Reich, Antje Taubert und Sarah Wohler für den Neuköllner Kunstpreis nominiert. Ihre Werke wurden parallel zur Preisverleihung in der Galerie im Saalbau ausgestellt und sind noch bis zum 16. April 2023 zu sehen. 

Der mit 3000 Euro dotierte 1. Preis ging an Katharina Reich für ihr Werk „Depot 2022-2023“. Was sich hier hübsch ansehen lässt, ein Turm aus aufeinandergestapelten Spitzendeckchen, ein anderer, schön in Orange und Rot gehalten und aus allerlei Kunststoffgegenständen geformt, täuscht beim naiven Blick über das hinweg, was das Ganze in sich hat: Hier geht es um Macht und gewaltsame Aneignung. Grüne und beige Grabvasen, je zwei übereinandergestellt, stehen in Reih und Glied und wirken wie eine Artilleriegranaten-Ansammlung. Die gesamte Konstruktion des Werks wiederum erinnert an eine Raketenabschussrampe. Hinzu kommen ein in dunkler Tinte getauchter Globus und Bischofsmützen, die aus abgeschliffenen, gebogenen Geodreiecken und Fahrradschläuchen bestehen. Auch sehen wir ein Stehaufmännchen und im Hintergrund an der Wand – ein Stalin Kürzel auf den Kopf gestellt. Katharina Reichs Werk „Depot 2022-2023“ ist vielschichtig und lässt den Betrachtenden trotz einer gewissen Direktheit Spielraum für Interpretation. Ist der Stalinismus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder auferstanden? Oder ist er nie ganz verschwunden gewesen und sind mit Putins diktatorischem Auftritt und seinem gewaltsamen Großmachtstreben seine Spuren wieder erkennbar geworden? Katharina Reich hat ein großartiges und reifes Werk geschaffen, das sicher noch weiter von sich reden macht.

Silvia Noronh erhielt den 2. Preis für „Shifting Geologies“. Hier wird der Einfluss des Menschen auf die Natur thematisiert. „Im Angesicht der schweren Thematik ruft die spielerische Leichtigkeit und detaillierte Farbigkeit der „Fundstücke“ beim Betrachten eine Irritation hervor, die es ermöglicht, neben der erwarteten Dystopie weitere Zukunftsszenarien anzudenken“, so die Jury. Nichts bleibt, wie es ist, und niemand weiß, was durch den menschlichen Eingriff in die Tiefen der Materie letztendlich entstehen wird. Mit ihren Arbeiten macht die deutsch-brasilianische Künstlerin also auf spielerische Weise bewusst, wie Natürliches mit vom Menschen Gemachtes immer mehr verschmelzen. Für eine ihre Arbeiten aus der Serie „Shifting Geologies“ erhielt sie vor kurzem den mit 20.000 Euro dotierten „Environment and Art Award“ der Kummer-Vanotti-Stiftung für den Skulpturenpark auf der Insel Grafenwerth. Der 3. Preis ging an Sarah Wohler für die Installation „Retreat (inaccessible modular shelters)“ . Wohlers spricht damit „die Fragilität der menschlichen Existenz an“, so die Jury. Sie tut das mit simplen Baumaterialien, die sie „zu einem hochästhetischen Gebilde zusammenstellt. Damit scheint sie dazu aufzufordern, „seinen Ist-Zustand nur als temporär wahrzunehmen und seinen Wandel bereits im Betrachten mitzudenken“, so die Interpretation der Jury. Den Sonderpreis von Stadt & Land konnte Antje Taubert mit dem Gemälde „ Barockisierende Abweichungen“ für sich verbuchen. Als Inspirationsquelle für das Bild diente Taubert der Roman Solaris von Stanislaw Lem, um ihn „intuitiv in Form und Farbe zu bringen“. Ein eindrucksvolles und starkes Gemälde

 

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