Zu viel Zucker macht Kinder dick, Erwachsene krank und Senioren zahnlos

09.09.2017 17:23 von Stephanus Parmann

Süßes ja, aber bitte für alle in Maßen, Foto: Parmann

„Zucker zaubert - Ihre Linie bleibt so schlank wie eine Pinie“, Das war eienr der markanten Werbesprüche von Süßwarenproduzenten inden 60er Jahren. Doch das ist schlichtweg falsch! Zucker in Süßigkeiten, Süßgetränken und Lebensmitteln macht in Wahrheit dick, fördert die Entstehung von Diabetes und schadet den Zähnen, warnt Die Stiftung Kindergesundheit.

„Mit der hohen Zuckerzufuhr in Deutschland haben wir bei Kindern wie Erwachsenen ein Riesenproblem“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der von Haunerschen Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität  München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Die nachweislichen Folgen eines hohen Zuckerverzehrs sind Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Karies. Dicke Kinder laufen Gefahr, später an Zivilisationskrankheiten wie hohem Blutdruck, Herz- und Kreislaufleiden und Gicht zu erkranken“.

Das ist seit langem bekannt udn wissenschaftlich untermauert. Auch zwei aktuell publizierte Untersuchungen geben darauf deutlcihe Hinweise:

1. Was passiert im Körper eines Kindes, wenn es eine Weile auf Zucker verzichtet? Diese Frage untersuchten kalifornische Wissenschaftler bei 41 adipösen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 19 Jahren, die täglich mehr als 50 Gramm Zucker in Form von Fruktose zu sich nahmen. Die Versuchspersonen erhielten neun Tage lang Mahlzeiten mit dem gleichen Gehalt an Kalorien und Nährstoffen wie zuvor, jedoch mit einer Ausnahme: Die Nahrung enthielt Stärke statt Zucker. Gemessen wurden die durch Umwandlung von Zucker in Fett entstandenen Fettwerte in der Leber, im Bauchfett und in der Haut. Auch die Menge des ausgeschütteten Insulins im Blut wurde gemessen.

 Am zehnten Tag nach Beginn der Studie war das Ergebnis eindeutig: Die Werte an Leberfett sanken von 7,8 Prozent auf 3,8 Prozent, das Bauchfett nahm von 123 cm3 auf 110 cm3 ab.Auch die Insulinausschüttung wurde deutlich verringert, während beim Unterhautfett keine wesentlichen Veränderungen gemessen wurden. Das Körpergewicht der Teilnehmer sank nach nur neun Tagen durchschnittlich um 0,9 Kilogramm. Fazit von Prof. Dr. Jean-Marc Schwarz und seinen Kollegen von der Universität Kalifornien in San Francisco: „Diese Ergebnisse unterstützen die Bemühungen, den Zuckerverbrauch zu senken“

2. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Biotechnology Research and Information Network AG (BRAIN AG) werteten Daten zum Vorkommen von Karies, Zahnfleischentzündungen (Parodontitis), Zahnverlust aus. Auch entsprechende Behandlungskosten und Krankheitslasten sowie Daten zum Zuckerverbrauch in 168 Ländern für das Jahr 2010 wurden gewertet. Daraus errechneten die Forscher den Anteil an den Gesamtkosten durch übermäßigen Zuckerkonsum. „Die Daten zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zucker und dem Vorkommen von Karies, Parodontitis und als Folge Zahnverlust“, so Studienerstautor Dr. Toni Meier. „Pro Mehrverzehr von 25 Gramm Zucker pro Person und Tag - was ungefähr acht Zuckerwürfeln oder einem Glas gesüßter Limonade entspricht - steigen die Zahnbehandlungskosten in Ländern mit hohen Einkommen im Durchschnitt um 75 Euro pro Person und Jahr an.“

Die Behandlungskosten in Deutschland belaufen sich derzeit auf jährlich 210 Euro pro Person.  Von daher könnte durch eine Verringerung des Zuckerkonsums auf die von der WHO empfohlene in Deutschland Kosten in Höhe von zwölf Milliarden Euro eingespart werden.

Die schädlichen Folgen des überhöhten Zuckerkonsums werden von der Zuckerlobby allerdings hartnäckig bestritten, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest. Die Zuckerverbände vertreten wie eh und je unverdrossen die Meinung, dass zwischen Zucker und Übergewicht sowie Karies kein direkter Zusammenhang besteht und treiben den Zuckerverbrauch durch Werbung weiter in die Höhe.  So  gaben allein die deutschen Hersteller von Süßwaren innerhalb eines Jahres insgesamt über 898 Millionen Euro für mediale Kommunikation aus ! 15 Prozent mehr als im Vorjahr, das Meiste für die Fernsehwerbung , das ergab die Werbemarktanalyse Süßwaren 2017. 
Auch direkt an Kinder gerichtete Werbung im Internet nimmt zu: Nach einer vom AOK-Bundesverband finanzierten Studie der Universität Hamburg beinhalten mehr als 60 Prozent der Lebensmittelwebseiten mindestens ein Element, das sich eindeutig dem Kindermarketing zuordnen lässt. Die Folge: Kinder sind jedes Jahr allein im Internet zwischen 2.700 und 7.800 Marketingmaßnahmen der Lebensmittelindustrie ausgesetzt.  So kommen die Kleinen pro Tag zwischen acht und 22 Mal mit Online-Werbeaktivitäten von Lebensmittelherstellern in Kontakt. Häufig geht es dabei um Lebensmittel, die sehr süß, salzig oder fetthaltig sind und Übergewicht begünstigen. Das  wurde jüngst auf dem vom AOK-Bundesverband initiierten „Zuckerreduktionsgipfel“ in Berlin bekannt. 
WHO: Sechs Teelöffel Zucker am Tag sind genug!
Die Folgen der Dauerpropaganda für Süßes: Die Ausgaben für Süßwaren stiegen in Deutschland um 1,7 Prozent und beliefen sich auf 97,90 Euro pro Kopf. Jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis verbrauchte allein im vergangenen Jahr 32,71 Kilogramm Süßwaren, 1,2 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Die Menge entspricht etwa 22 Teelöffeln pro Tag. Zum Vergleich: Laut Weltgesundheitsorganisation sollte die Tagesmenge bei Erwachsenen zwölf, bei Kindern sechs Teelöffel nicht übersteigen.



Süßwaren, Limonaden und Knabberartikel sollten nicht mehr als etwa zehn Prozent des täglichen Energiebedarfes beitragen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Professor Koletzko nennt ein Beispiel: „Für ein vier- bis sechsjähriges Kind liefern eine Kugel Eiscreme und zwei Butterkekse bereits zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs.“

Besondere Vorsicht gilt bei mit Zucker gesüßten Getränken und süßen Fruchtsäften. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Erfrischungsgetränken (insgesamt) betrug in Deutschland 2016 nach Industrieangaben 116,3 Liter. Den größten Posten machten Cola- und Cola-Mischgetränke sowie Limonaden aus mit 78,2 Liter pro Kopf im Jahr. Viele Studien belegen indes einen engen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum derartiger Getränke und der weltweiten Zunahme des Übergewichts. Professor Berthold Koletzko: „Mit Zucker gesüßte Getränke fluten den Organismus ungebremst und schnell mit überzähligen Kalorien“. Sie können so die Energiebilanz aus dem Gleichgewicht bringen. Flüssige Kalorien wirken außerdem weniger sättigend als feste Nahrung. Und durch den raschen Blutzuckeranstieg stimulieren sie die Bildung des Hormons Insulin und damit die Fettablagerung im Körper, so Koletzko. 

Das gelte nicht nur für Softdrinks wie Cola und Limonaden, sondern auch für die in Deutschland besonders beliebten Fruchtsäfte (Pro-Kopf-Verbrauch 2016: 33 Liter): „Säuglinge und Kleinkinder sollten Fruchtsaft so zurückhaltend trinken wie Erwachsene Champagner. Saft ist kein alltägliches Lebensmittel, sondern vielmehr etwas, das zu besonderen Anlässen genossen werden darf“, so der Münchner Kinder- und Jugendarzt. Die Stiftung Kindergesundheit betont: Als Getränke für Kinder wirklich gut geeignet sind nur Leitungswasser, Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees oder Fruchtsaftschorle (zwei Drittel Wasser). Gezuckerte Fruchtsaftgetränke und Limonaden, einschließlich Cola-Getränke und Eistees, sollten nur gelegentlich getrunken werden.

In den Kindergärten, in denen das von der Stiftung Kindergesundheit mitentwickelte Programm TigerKids eingesetzt wird, bekommen die Kinder vor allem Wasser oder kalorienarme Getränke angeboten. „Am Ende schmeckt dem Menschen das, was er regelmäßig konsumiert“, so Professor Koletzko. „Innerhalb von einer Woche fordern die Kinder auch von ihren Eltern zuhause Wasser als Getränk.“


Mäßigung statt Verbote
„Süßes schmeckt gut, keine Frage“, räumt Professor Koletzko ein. „Kinder kennen den Geschmack schon aus der Muttermilch oder aus der Babynahrung und lieben ihn deshalb. Kein vernünftiger Mensch käme deshalb auf den Gedanken, den Kindern alles Süße zu verbieten“. Die Stiftung Kindergesundheit plädiert stattdessen dafür, in den Familien von Anfang an feste Regeln im Umgang mit Süßigkeiten aufzustellen und so dem Kind zu helfen, sein eigenes Maß zu finden. 


Wie findet man aber den richtigen Weg?  Dazu gibt die Gesellschaft folgende Empfehlungen:

1. Süßigkeiten sollten niemals als Belohnung, Druckmittel oder Strafe benutzt werden. Dann bleiben Süßigkeiten lediglich wohlschmeckende Nahrungsmittel und bekommen keinen übertriebenen Gefühlswert.

2. Süßigkeiten werden nach Möglichkeit nur einmal am Tag, und zwar zu den Mahlzeiten gegessen. Anschließend werden die Zähne geputzt. 3. Auch Großeltern und Tanten, Verwandte und Bekannte sollten die häuslichen Regeln zum Umgang mit Süßigkeiten kennen. 4. Das Anlegen von Süßvorrat  kann schaden: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Gegen Süßhunger sind Obst und Karotten eine probate Hilfe.

5. Süßigkeiten sollten nicht offen herumstehen. So schützen man sich selbst und seine Kinder davor, aus Langeweile oder Gedankenlosigkeit ohne besonderen Appetit Bonbons, Gummibärchen, Schokolade oder Kekse zu essen.

5.  Wichtig ist es, dem Kind so früh wie möglich zu erklären, dass süße Sachen nicht gut für die Zähne sind. Gewöhnen sollte man das Kind es darannach Süßwarenkonsum die Zähne zu putzen, sich den Mund auszuspülen oder einen Apfel zu essen. 6. Nach dem abendlichen Zähneputzen darf nichts mehr gegessen werden. Späte „Betthupferl“ nagen an den Zähnen. 
7. Selbst Vorbild seinist wichtig. Denn wer ständig nascht, kann kein Vorbild sein.

Die Stiftung Kindergesundheit unterstützt die Forderung, alle verarbeiteten Lebensmittel durch ein für alle Bevölkerungsgruppen verständliches Ampelsystem zu kennzeichnen, das den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Energie (Kalorien) auf einen Blick erkennen lässt. 


 

 

 

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