Erneuter Brandanschlag auf Auto von Rudower Buchhändler

01.02.2018 18:34 von Stephanus Parmann

Die Flammen hätten leicht auf das Haus übergreifen können, Foto: Kocak

In der vergangenen Nacht brannten zwei Fahrzeuge in Britz und Rudow komplett aus. Der polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat nach eigenen Angaben die weiteren Ermittlungen übernommen und prüft einen möglichen Zusammenhang. 

Gegen 2.40 Uhr wurden Polizei und Feuerwehr in die Karl-Elsasser-Straße alarmiert, da dort Rauch und Flammen aus dem dort abgestellten Peugeot von Rudows Buchhändler Heinz-Jürgen Ostermann schlugen. Die Feuerwehr löschte den Brand, das Fahrzeug wurde jedoch komplett zerstört. Herr Ostermann ist entsetzt, schon weil er das Fahrzeug bewusst weitab von seiner Wohnung parkte: „Erschreckend ist insbesondere, dass ich offensichtlich weiterhin ausspioniert und verfolgt werde. Erschreckend ist auch, dass nach zahlreichen Brandanschlägen im südlichen Neukölln niemand bisher gefasst wurde.“ Nur 20 Minuten später haben gegen 3 Uhr aufmerksame Bewohner Rauch- und Flammen an einem unter einem Carport stehenden Smart in Rudow festgestellt. Die Flammen schlugen meterhoch und das Fahrzeug stand ganz nah am Haus. Bei dem 38-Jährigen Fahrzeughalter handelt es sich um Ferat Kocak, der Vorstandsmitglied der Linken in Neukölln ist. Er versuchte bis zum Eintreffen der alarmierten Feuerwehr mit einem Feuerlöscher den Brand zu bekämpfen. Doch auch hier brannte das Fahrzeug vollständig aus. Durch die Hitzeentwicklung wurde auch „ein danebenstehender Mercedes eines 63-Jährigen beschädigt“, so der Polizeibericht.  Damit reißt die Serie an Anschlägen nicht ab, allein im Jahr 2016 soll es laut dem Berliner Senat rund 77 Gewalttaten gegeben haben, die dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet werden. Getroffen hat die Anschlagsserie in Rudow bislang eine evangelische Pfarrerin und ein Mitglied des Gemeindekirchenrats der Evangelischen Kirchengemeinde Rudow, eine Schriftstellerin, sowie ein Mitglied der Jugendorganisation Die Falken, einen SPD Politiker und den Buchhändler Heinz-Jürgen Ostermann. Er betreibt die Buchhandlung Leporello in Rudows Krokusstraße und ist Mitglied der Aktionsgemeinschaft Rudow (AG Rudow). „So ein feiger Angriff, auf jemanden, der mit Büchern handelt und sich an vielen Stellen in Rudow ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagiert, ist wirklich das Letzte“, postete Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey (SPD) auf ihrer Facebookseite und verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. Auch der Vorstand der AG Rudow mit Andreas Kämpf und Detlef Heintz ist über die Anschlagsserie entsetzt. „Wir lehnen gewaltsame Auseinandersetzungen grundlegend ab und verurteilen Terrorakte", so Kämpf udn Heintz. Schließlich könne man in unserer Demokratie offen seine Meinung sagen und müsse nicht feige andere bedrohen, indem man ihr Eigentum beschädigt. "Herr Ostermann ist ein unbescholtener Bürger und setzt sich als unser Mitglied für das Gemeinwohl ein. Aktuell engagiert er sich mit weiteren AG Rudow Mitgliedern und Kooperationspartnern für das Lesefest Rudow liest, wo die Rudower und ihre Gäste vom 2. bis 4. März 2018 bei freiem Eintritt in den Genuss von Lesungen guter Literatur kommen".

 

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