Erste Einschulungsuntersuchung - Neukölln holt auf

15.06.2024 08:20 von Redaktion

Mit der ersten Einschulungsuntersuchung seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Bezirksamt Neukölln, Abteilung Soziales und Gesundheit nun neue Daten zum sozialen und gesundheitlichen Status von Schulanfängerinnen und Schulanfängern vorgelegt. Die Einschulungsuntersuchung 2022, ausgeführt von Ärztinnen und Ärzten, zeige in vielen Bereichen bei Kindern im Alter von 5- 7 Jahren stabile bis leicht verbesserte Ergebnisse im Vergleich zu Jahr 2019. Untersucht wurden 3.401 Kinder. Von besonderem Interesse waren die Auswirkungen der Corona-Zeit auf die Kinder. Tatsächlich sollen sich nach der Datenlage keine unmittelbaren pandemiebedingten Nachteile der Kinder für der Schuleintritt oder eine Verschärfung von Chancenungleichheiten nachvollziehen lassen, so die „Auswertung der Einschulungsuntersuchung“. Allerdings sei als Folge der Coronazeit, der Anteil der Kinder mit Übergewicht gestiegen. Ein verbessertes Impfverhalten und eine leicht zurückgegangene Kitabesuchsdauer seien wohl auch auf die Bedingungen der Pandemie zurückzuführen. Trotz positiver Tendenzen zeige der Bezirk Neukölln nach wie in einigen Bereichen ungünstige Werte. So beim Übergewicht, der Sprachdefizite, dem Rauchverhalten in den Familien und dem hohen Anteil an Kindern mit niedrigem Sozialstatus. Bei 37,2 Prozent der Kinder wurden 2022 Sprachdefizite festgestellt (2019: 38,7%.) Das sind 4,3 Prozent mehr als der ohnehin hohe Durchschnittswert für Berlin, der bei 32,9 Prozent liegt.

Viele Kinder in Neukölln sind einer niedrigen Sozialstatusgruppe zuzuordnen (24,2%; Berlin: 14,9%). Dennoch ist ihr Anteil seit 2019 stark gesunken (-4,3 Prozentpunkte), während der Anteil von Kindern mit hohem Status stark angestiegen ist (+5,6 Prozentpunkt). Überdurchschnittlich hoch ist weiterhin der Anteil von Kindern, von denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat (67,6%; Berlin: 52,3%). Die Herkunftsregionen bleiben weitergehend unverändert – jeweils zu gleichen Teilen geben die Familien wie in den Vorjahren eine türkische, arabische und osteuropäische Herkunft an. Der Anteil von Kindern aus westlichen Industriestaaten steige allerdings stark an und liege mit 6,6% mittlerweile leicht über dem Berliner Durchschnitt (6,3%). Die Einschulungsuntersuchung zeige, dass in Neuköllner Familien mit Migrationshintergrund sowohl Eltern als auch Kinder überdurchschnittlich gute Sprachkenntnisse haben. 38,9% dieser Kinder und Eltern haben gute Deutschkenntnisse, während dies in Berlin lediglich 26,1% sind. Dies sei auch Ausdruck davon, dass viele Familien mit Migrationshintergrund bereits seit mehreren Generationen in Neukölln leben und hier zur Schule gegangen sind. Durchschnittlich im Berlinvergleich zeigt sich Neukölln in den Bereichen Visuomotorik, also der Koordination von visueller Wahrnehmung und Bewegungsapparat (19,9 %), Untergewicht (9,3%), fehlende Impfdokumentation (8,2 %) und Medienkonsum - 8,6 % der Kinder konsumieren mehr als zwei Stunden pro Tag Medien. Durchschnittlich ist auch die Inanspruchnahme von Therapien und Vollständigkeit von Frühuntersuchungen. Insbesondere beim Medienkonsum, bei der Impfdokumentation und bei den Früherkennungsuntersuchungen habe sich der Bezirk in der Rangfolge der Bezirke jedoch verbessern können. Ein Wermutstropfen gibt es: Entgegen den tendenziellen Verbesserungen in Neukölln hinsichtlich visueller Wahrnehmung und der Empfehlungshäufigkeit einer schulischen oder sonderpädagogischen Förderung, haben Kinder aus sozial belasteten Familien hier sogar zunehmend ungünstigere Werte, so der Bericht. Von den Entwicklungen bezüglich Körperkoordination, Vollständigkeit der Früherkennungsuntersuchungen, Impfverhalten, Medienkonsum und Rauchverhalten in der Familie profitieren allerdings auch Kinder aus sozial belasteten Familien. Überdurchschnittlich gut ist die Grundimmunisierung bei Masern, Tetanus sowie Meningokokken C, sie liegt über dem Berliner Durchschnitt. Seit 2017 rückläufig sind auch die Zahlen im Bereich Auffälligkeiten in der emotional-sozialen Entwicklung. Sie liegen bei 21,3 % (2016: 27,4%).

Neukölln steigt insgesamt im Bezirksvergleich ins untere Mittelfeld auf.Trotz aller positiven Tendenzen haben Neuköllner Kinder weiterhin einen erhöhten Aufmerksamkeitsbedarf bei Übergewicht oder dem Rauchverhalten in den Familien. Zudem leben in Neukölln besonders viele Kinder in Familien mit niedrigem Bildungsstand und einer Belastung durch Erwerbslosigkeit. Gerade diese Faktoren haben jedoch einen großen Einfluss auf die Ergebnisse in den Einschulungsuntersuchungen und auf die Chancengleichheit beim Schuleintritt. „Unsere Untersuchung zeigt, dass viele der Befürchtungen wie erhöhter Medienkonsum, Sprachdefizite oder emotional-soziale Auffälligkeiten durch Corona erstmal nicht bestätigt werden“, so Gesundheits- und Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU). Insgesamt freue er sich darüber, dass Neukölln im Vergleich zu früheren Untersuchungen aufhole „und unsere Kinder nicht mehr das Schlusslicht in der Stadt bilden.“ Die Ergebnisse würden zeigen, „dass Neuköllner Familien stärker und resilienter sind, als viele denken“, so Rehfeldt. Sie hätten in der Pandemie enorm viel geleistet und den allermeisten Kindern damit unter schwierigsten Bedingungen einen guten Start in die Schulzeit ermöglicht. Dennoch bleibe viel zu tun: „Besonders bei der gesunden Ernährung und einem möglichst frühzeitigen Kita-Besuch für gute Sprachkenntnisse ist noch viel Luft nach oben in Neukölln. Auch innerhalb des Bezirks gibt es weiterhin große Unterschiede in der kindlichen Entwicklung“. 

 

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben