„Hier spricht Berlin“

01.02.2016 08:30 von Stephanus Parmann

Die Künstlerin WeBerlin stellt in der Alten Dorfschule aus

WeBerlin: Berliner Mauer- November 1989, Fotos Stephanus Parmann

Im Januar eröffnete Andreas Hein, Mitbegründer des Vereins Alte Dorfschule Rudow, im Veranstaltungs- und Ausstellungsraum des Kulturhauses die Ausstellung der Malerin „WeBerlin“ - Heidi Weber. Titel: „Kunst ist Kunst und alles Andere ist alles Andere“ (Ad Reinhardt).

Das Ausstellungsmotto „Kunst ist Kunst und alles Andere ist Anders“, ein Zitat des Farbfeldmalers und Kunsttheoretikers Ad Reinhardt, wählte die Künstlerin WeBerlin, „weil ein jeder Kunst anders sieht.“ Malerei beginnt allerdings für WeBerlin dort, wo sich Gedanken „sinnbildlich verkleiden“. Zu ihrem kreativem Schaffensprozess sagt sie: „Beim Malen bin ich in meiner eigenen Welt, ruhig, gelassen, ich lasse geschehen“. Richtig fertig werde ein Bild eigentlich nie. Man müsse schon den Punkt finden, wo man es loslässt und es als fertig erachtet. „So bin ich manchmal selbst vom Ergebnis überrascht.“ Aber nicht nur WeBerlin ist vom Ergebnis überrascht, auch die Besucher der Vernissage waren begeistert von der Vielfalt im Ausdruck, die WeBerlin hier zeigte. Ob gemalte Bildersprache oder die Komposition der Collagen – die Künstlerin vermittelt im scheinbaren Chaos noch Ordnung, so versteht sie es, mit Farben und Formen sinnige Räume zu schaffen, Räume zum Atmen für den Betrachter, zum Nachdenken. Denn WeBerlins Werke sind nicht einfach nur intuitiv entstanden, auch wenn sie das Malen selbst geschehen lässt, wie sie sagt. Das lässt sich so deuten, dass hier keine Selbstzensur die Bildsprache erstickt. So entstehen wundersam expressive Werke wie die Collage „Hörbuch“, „Berliner Mauer - November  1989“ oder „Coffeemania“, Collagen, die zum Nachdenken anregen. Bei der Collage Coffeemania arbeitete WeBerlin mit Kaffeekapseln, gerösteten Kaffeebohnen und Jutekaffeesack. Im Zentrum der Collage sind Kaffeekapseln wie auf einer Erd-Landkarte fixiert, die sich vereinzelt zum Rand ausbreiten. Das Manische an der Geschichte ist wohl nicht der Genuss des Kaffees, sondern die Verschwendung des Aluminiums und die Umweltschäden, die die Kapseln hinterlassen. Absurder Live Style. Auch die Collage „Berliner Mauer - November 1989“ hat es in sich. Aufgebaut ist sie wie ein Triptychon, ein Andachtsbild. Im Zentrum, hinter der brüchigen Mauer, ein Farbenfeuerwerk mit den Farben Schwarz, Rot, Gold, und auf der Mauer  erkennbar der Umriss von Gesamtberlin, geziert von Udo Lindenbergs Musiktitel „Hinterm Horizont geht’s weiter!“ – „HIER spricht BERLIN“, eine Stadt, die nie die Hoffnung aufgab, wieder eine Einheit zu werden, fällt einem dazu ein. Eine phantastische Collage, die WeBerlin hier geschaffen hat. Und doch: Bei aller Sinnfälligkeit der einen oder anderen Collage, bekommt der Betrachter dennoch Lust, hinzuschauen und sich anregen zu lassen, schon weil WeBerlin sich aufs Handwerkliche versteht und stets den richtigen Ton für das Zusammenspiel von  Farbe, Material und Form entwickelt.   

„Kunst ist Kunst und alles Andere ist alles Andere“ Ad Reinhardt

Ausstellung der Künstlerin „WeBerlin“ - Heidi Weber, bis 28. Februar 2016 –

Alte Dorfschule Rudow, Alt-Rudow 60, 12355 Berlin, Tel: 66068310

www.dorfschule-rudow.de

 

 

 

 

 

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