103. Ausstellung: Rudower Heimatverein zeigt Zinnfiguren

21.11.2022 00:03 von Redaktion

Foto: John Knight, (c) SPhoto

Es ist schon ein außergewöhnliches Hobby, das John Knight ( 82) von klein auf liebte: Zinnfiguren. Eine Ausstellung im Rudower Heimatverein zeigt nun unzählige Exponate aus der Nachkriegszeit seiner umfangreichen Sammlung, der Sammlungen von Klaus-Peter Kendzia sowie dem Rudower Heimatverein. Bei den Themen, die die mehr als 1000 Figuren repräsentieren, sind etwa auch Dinos zu sehen, vieler Kinder Lieblinge. Aber auch Ritter, Soldaten, Landsknechte, Szenen einer Bauernhochzeit, allerlei Tierfiguren, Denkmäler, Vasen mit Blumen und vieles andere mehr. Für die Erwachsenen und für Kinder gleichermaßen spannend, sind natürlich kunstvolle gestaltete Dioramen. Das sind „Schaukästen, in denen Szenen mit Modellfiguren und -landschaften vor einem oft halbkreisförmigen, bemalten Hintergrund dargestellt werden. Sie stehen in der Nachfolge von Weihnachtskrippen“, so das Online-Lexikon Wikipedia. Gerne dargestellt wurden in Dioramen etwa auch mit Zinnfiguren gestaltete historische Szenen, soziale Milieus oder etwa Tiere in ihrem natürlichen Umfeld. Erfunden hat das Diorama (Durchscheinbild) übrigens der Künstler Louis Daguerre, vielen eher bekannt als Begründer des ersten kommerziell nutzbaren Fotografieverfahrens (Daguerretypie). 

Die erste Zinnfigurenausstellung der Welt gab es 1930 in Dresden. Die meisten der dort gezeigten Exponate entstammten der Sammlung von Otto Emanuel Gottstein (1852-1951) erzählt John Knight. Gottstein musste Deutschland 1933 verlassen, weil er Jude war. Er ging nach England und gründete dort die „British Model Soldier Society“, wo auch John Knight lange Zeit Mitglied war. Wie viele Zinnfigurenfreunde auch, schwärmt Knight von den aufwändigen Zinnfiguren-Dioramen zur englischen Geschichte, die Gottstein mit Freunden und weiteren Exilanten gestaltete und die ihn weltberühmt machten. Gottstein prägte die Entwicklung der kulturhistorischen Zinnfigur über Jahrzehnte. Gottstein, sagt Knight, hatte die besten Graveure und Künstler, die mit Zinnfiguren arbeiteten und sie bemalten. Auch Knight hat unzählige Figuren kunstvoll selbst bemalt und kennt jeden Schritt der Herstellung. Zinnfiguren sind Skulpturen, gefertigt aus Zinn, Antimon, Wismut und mitunter Blei. Ihre Herstellung ist schon sehr aufwändig. Nach dem Entwurf der Figur legt der Graveur Hand an. Er überträgt den Entwurf auf Schiefer, Messing, Aluminium oder Silikon, um anschließend zu gießen. Nachdem die Figur gereingt (entgratet) ist, geht der Maler ans Werk. Die Produktion einer schönen Figur erfordert sehr viele kleine Arbeitsschritte und ein Höchstmaß an handwerklichem Geschick. 

Zinnfiguren waren wohl schon im antiken Griechenland und im Römischen Reich verbreitet. In Deutschland wurde die älteste Zinnfigur in Magdeburg entdeckt. Sie diente wohl als Pilgerzeichen. Einen Höhepunkt in der Verbreitung erreichten die Zinnfiguren Mitte des 16. Jahrhunderts. Nürnberg und Fürth, heute noch berühmte Städte der Spielzeugfabrikation, waren die Zentren, von denen aus die Figuren in deutsche und in die Kinderzimmer aller möglichen Länder gelangten. Sie galten als Lernspielzeug, das den Kindern die „Große weite Welt“ und das Rollenverständnis von Mann und Frau beibrachten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der pädagogische Charakter der Spielfiguren und ihr Einsatz zu Weihnachten mehr und mehr verdrängt durch Figuren mit militärischem Charakter. Der Zinnsoldat drängte sich in den Mittelpunkt. Auch davon gibt es in der Ausstellung jede Menge zu sehen. Ein Blick auf das Angebot des damaligen Weltmarktführer, die Werkstatt Heinrichsen zeigt, das auch heute noch miltärische Darstellungen sich großer Beliebtheit bei Sammlern erfreuen. Gegründet wurde die Offizin Heinrichsen 1835, 2014 feierte sie ihr 175jähriges Bestehen. Für die Werkstatt Heinrichsen gestalteten Künstler wie Wilhelm Camphausen und die Brüder Carl Alexander und Manfred Heideloff Entwürfe. Mit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann des Liebhaber „kulturhistorische Zinnfiguren“ zu sammeln, historische Darstellungen waren international beliebt.  Zinnfiguren gibt es als flache und plastisch ausgeformte Figuren in den Größen 30, 40, 90 und 120mm. Besonderheiten wie sie auch in Rudow gezeigt werden, sind von beiden Seiten bemalt. Eine wunderschöne Arbeit, die in Rudow zu sehen ist, sind drei größere Figuren, die in einem edlem Holzrahmen eine Heimat fanden. In der Mitte zu sehen ist Albrecht Dürer, ihm links und rechts zur Seite zwei Damen, deren Vorbilder einst von dem berühmten italienischen Renaissancemaler Sandro Boticelli gemalt wurden. 

 

 

103. Ausstellung des Rudower Heimatverein

Zinnfiguren

Vernissage: 26. November 11.00 Uhr

Ende: 18. Dezember

Alte Dorfschule Rudow, Alt Rudow 60

Immer samtags und sonntags von 10.00-16.00 Uhr

Eintritt frei: Jede Spende ist willkommen!

Bankverbindung: Berliner Volksbank

IBAN DE22 1009 0000 3825 0760 09

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