25 Jahre Dritter Frühling

01.06.2022 20:15 von Redaktion

Sie kommen aus, Rudow, Britz, Nordneukölln, der Gropiusstadt oder aus Buckow, um in den künstlerischen Werkstätten des Vereins „dritter frühling e.V.“ kreativ zu arbeiten – Menschen im besten Alter und mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung. Mit den Angeboten des gemeinnützigen Vereins „dritter Frühling“ erfüllen sich viele von ihnen einen Traum, dessen Umsetzung ihnen im Laufe des Berufslebens und oder des Mütterdaseins oft aus Zeitgründen verwehrt war: Sie arbeiten künstlerisch kreativ und lernen spät aber intensiv und mit professioneller Begleitung mit den verschiedensten Techniken und Fragestellungen im kulturellen und künstlerischen Bereich umzugehen. Die verschiedenen künstlerischen Werkstätten werden bis heute vom Neuköllner Fachbereich Kultur gefördert und finden sowohl im Kreativraum im Körnerpark als auch im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt oder in der Gartenarbeitsschule August Heyn statt. Auch werden Ausflüge unternommen. Gearbeitet wird mit den unterschiedlichsten Medien. Zum Zuge kommen unter anderem die Malerei, Theater, Fotografie, Film, kreatives Schreiben, kurz, die Vielfalt der Bildenden Kunst. Traditionelle Handwerkstechniken werden neu entdeckt, die Keramik, der Umgang mit der digitalen Welt oder alte Grafiktechniken wie die Frottage. Menschen können hierbei nicht nur künstlerisch arbeiten, sondern möglicherweise auch nie erkannte oder erlebte kreative Fähigkeiten entfalten.

 

Zum Team des Vereins dritter Frühling gehören Künstlerinnen und Kulturpädagoginnen verschiedener Sparten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, kreative, kulturelle und künstlerisch Kreativität von Menschen ab 50 zu fördern. Und das stößt seit 25 Jahren auf große Resonanz.

 

Die Ursprünge des in Neukölln ansässigen gemeinnützigen Vereins „dritter frühling e.V.“ gehen zurück bis in die frühen 1980er Jahre. Aus einem Projekt zur Künstlerfortbildung an der Hochschule der Künste (HdK), heute Universität der Künste (UdK) genannt, entwickelte sich die Idee, kulturelle Projekte speziell für und mit älteren Menschen zu entwickeln. Die ersten Veranstaltungen fanden kurz vor dem Mauerfall statt und widmeten sich insbesondere mit dem Projekt „Berlin Mitte – grenzenlos“ der erlebten Stadtgeschichte. Damit fiel, auch für Außenstehende, ein neuer Blick auf Orte in der Stadt. Schließlich haben ältere Menschen, die ihre Kreativität entdecken und ihr Bedürfnis nach kreativer Entfaltung entwickeln, einen eigenen Blick auf die Dinge, die sie umgeben. Mit dem Fall der Mauer erweiterte sich der Aktionsradius des Projekts. Die Ergebnisse des Projekts „Berlin Mitte – grenzenlos“ wurden nicht nur ausgestellt, sondern waren auch eine Inspirationsquelle für Stadtplaner und -träumer. Die Stadtplaner zeigten sich beeindruckt von den präsentierten Ergebnissen und baten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Gespräch. Das Angebot wurde voller Stolz und mit großem Engagement wahrgenommen. Und der Verein „dritter Frühling“ bewies damit, dass die künstlerische Auseinandersetzung älterer Menschen mit dem Alltag sehr wohl Auswirkungen auf das städtische Umfeld haben kann. Die Annahme der Gründerin Jutta Kunde (25.12.1935 † 18.09.2012 ), Lehrende an der HdK im Bereich Kunst im Kontext, war, dass durch die Sensibilisierung aller Sinne das kreative Potenzial eines Menschen in jedem Alter aktiviert wird. Die erfolgreiche Umsetzung ihrer Ideen führte schließlich 1997 zur Umwandlung des Projekts „dritter frühling“ in einen gemeinnützigen Verein, der mittlerweile auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Möglich wurde dies aber nur durch die breite und auch finanzielle Unterstützung durch das Kulturamt Neukölln, damals unter Leitung von Dr. Dorothea Kolland. Auch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie förderte das Projekt. Seit einigen Jahren besteht eine Kooperation mit dem Bundesprogramm ‚Demokratie Leben!‘.

 

Für die frühen Workshops konnte der „dritte frühling“ aus den Erfahrungen einer Generation schöpfen, die noch vor dem 1. Weltkrieg geboren war und mit diesem Blick und Erfahrungsschatz den Alltag künstlerisch hinterfragte und kreativ nutzte. Mittlerweile trifft sich in den Werkstätten eine Generation, die zwar nicht mehr in gleicher Hinsicht von einem epochalen Ereignis wie einem Weltkrieg geprägt ist, dafür aber ein breites Spektrum an kulturellen Einflüssen einbringt. Im Austausch der Erfahrungen bewahrheitet sich nach wie vor, dass Kreativität und Lebensfreude keine Altersgrenze haben. Kultur ist ein Lebenselixier, dass die Sicht auf scheinbar Vertrautes klärt und von eingeschliffenen Denk- und Verhaltensmustern befreit. Eine Horizonterweiterung, die in jedem Alter glücken und beglücken kann. 

Das aktuelle Jahresprogramm des Vereins „dritter Frühling“ steht unter dem Motto „Erinnerungen an die Zukunft“. Interessierte finden es unter

https://www.dritter-fruehling-ev.de/aktuelles/aktuelles-programm/

 

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