Interview: Der Traum vom Rundfunkmuseum

12.07.2012 15:47 von Stephanus Parmann

Manfred Knoblauch ist Initiator und Eigentümer des Privaten Rudower Rundfunkmuseums. Regelmäßig organisiert der leidenschaftliche Sammler Ausstellungen. So auch in den Räumen des Rudower Heimatvereins in der Alten Dorfschule. Wir besuchten den Rundfunkgeräte- Freund, fragten ihn wie er zu dem Hobby kam, was ihn daran fasziniert und welchen Traum er für die Zukunft hat.

Herr Knoblauch, seit wann pflegen Sie das Hobby?
Mit 16 Jahren habe ich bereits den ersten Volksempfänger zerlegt. Ich las Bücher und machte aus einem Volksempfänger zwei, die nicht spielten. Das gab, wie Sie sich vorstellen können, Zuhause mächtig Ärger. Ernsthaft begann ich vor etwa 30 Jahren mit dem Sammeln von alten Rundfunkgeräten.


Wie fing es an?
Von Beruf bin ich Maschinenfacharbeiter, den Beruf erlernte ich bei Siemens. Danach wechselte ich in den Bereich Elektronik, und zwar in das Radiowerk Berlin. Untergebracht war es in dem Gebäude am Nonnendamm, das hinter der Feuerwache steht. Siemens kaufte in den 60er Jahren die Firma Nora auf. 1962 allerdings war Produktionsschluss, danach bauten Blaupunkt und Grundig für Siemens. Ich arbeitete dann im Bereich Prüffelder, wo wir Funkgeräte prüften, die für den öffentlichen Gebrauch bestimmt waren.

Wie entwickelte sich ihre Sammlerleidenschaft?
Nach dem Drama mit dem in zwei Teile zerlegten Volksempfänger baute ich Detektoren und kleine Rundfunkempfangsgeräte. Die Teile kaufte ich bei „Atzert“ und baute sie zusammen.

Ist an Ihnen etwa ein Ingenieur verloren gegangen?
Vielleicht, ich hatte eben nicht die Chance, eine Ingenieursausbildung zu machen.

Was fasziniert Sie an Rundfunkgeräten?
Große Neugier trieb mich. Ich wollte einfach wissen, wie was und warum funktioniert.

Woher kommen die Geräte, die Sie regelmäßig in Ausstellungen zeigen?
Schon als ich noch im Berufsleben aktiv war, besuchte ich in den 70er bis in die 90er Jahre Flohmärkte und Auktionen in Berlin und entdeckte das eine oder andere Gerät, das in den Ausstellungen zu sehen ist. Manche der Ausstellungstücke bekam ich von einem Freund, der Flohmärkte in Bayern und Polen besucht.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Rundfunkgeräte aus? Man nimmt doch nicht alles, was einem angeboten wird.
Je älter, desto besser, lautet hier das Auswahlkriterium. Falls ich einmal Stücke doppelt habe, biete ich sie zum Verkauf an, nachdem ich sie einer Generalüberholung unterzog.

Was war Ihr schönstes Erfolgserlebnis?
Jedes Radio, das ich wieder zum Leben erwecke, ist ein Erfolg für mich. Größere Ausstellungen, wie die im Museum der Dinge, (www.museumderdinge.de) die etwa ein halbes Jahr lief, oder die Ausstellung in den Neukölln-Arkaden und am Bat-Yam-Platz im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt zählen zu meinen Erfolgen. Ich verlieh auch schon mal Geräte an Theateraufführungen, beispielsweise an den Saalbau Neukölln.

Was tun Sie, um im Gespräch zu bleiben?
Ich habe einen Internetauftritt unter http://home.snafu.de/wumpus/rudow.htm
Hier kann man Fotos sehen und erfahren, mit was ich mich gerade beschäftige. Auf diesem Weg kommen immer wieder Radiofreunde auf mich zu und fragen beispielsweise nach Ersatzröhren, Antriebsriemen und Transistoren, nach allen Teilen eben, die für ein Radio gebraucht  werden und die es heute nicht mehr im normalen Handel gibt.

Was ist ihr schönstes Ausstellungsstück?
Das ist schwierig zu sagen. Mich jedenfalls beeindrucken die Volksempfänger, weil sie aus den billigsten Materialien aus der Zeit zwischen 1938 bis 1945 zusammengenagelt wurden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir von Herzen Räumlichkeiten für ein eigenes kleines Museum. Das wäre mein Traum. Leider gab es hierfür in Berlin bislang noch keine tragfähigen Angebote. 

Herr Knoblauch, vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Stephanus Parmann

Kontakt: 
Manfred Knoblauch steht Liebhabern alter Rundfunkgeräte mit Rat und Tat zur Seite. 
Er ist telefonisch erreichbar unter der Rufnummer 030 / 661 54 01, email: radioknoblauch@yahoo.de

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