KÖRNELIA GOLDRAUSCH 2013

20.10.2013 11:31 von Stephanus Parmann

Galerie im Körnerpark präsentiert hochspannende Kunstwerke von Künstlerinnen

Künstlerinnen im Goldrausch – nur wenige der vielen weltweit agierenden guten Künstlerinnen aus der Szene der Bildenden Kunst oder der Videokunst schaffen es, auch dauerhaft von ihrer Kunst leben zu können ohne noch nebenher jobben zu gehen. Von daher ist es eminent wichtig, dass Künstlerinnen nach ihrem Studium Zeit und Muße haben, um Werke zu entwickeln, sich im Kunstmarkt zurechtzufinden und lernen, sich mit ihren Werken in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dafür steht das Goldrausch Künstlerinnenprojekt. Es fördert seit 1989 Bildende Künstlerinnen in ihrer Karriere-Entwicklung und vergibt durch eine profilierte Jury ausgewählten Künstlern ein einjähriges Stipendium. 2013  saßen die Performance-Künstlerin Käthe Kruse, die Bildhauerin Heike Klussmann und die Kritikerin Astrid Mania in der Jury.

Die Galerie im  Körnerpark in  Neukölln zeigt nun mit  KÖRNELIA – GOLDRAUSCH 2013 die vielfältigen Werke von 15 Stipendiatinnen des Goldrausch-Projekts 2013. Zu sehen gibt es unterschiedliche Verfahren, Genres und Medien wie Skulptur, Malerei, Film, Fotografie, Installation und Zeichnung, eine Vielfalt, die allein schon einen Besuch dieser bemerkenswerten Ausstellung lohnt. Wer dann genau hinsieht, trifft bei allen Künstlerinnen auf Außergewöhnliches und Verblüffendes. Bereits am Eingang zur Ausstellung wird der Besucher mit einer  Künstlerin konfrontiert, die die Welt auf den Kopf stellt. Denn die 1977 in Izmir geborene Kinay Olcaytu  betreibt ein Institut für Okzidentalismus und stellt mit der künstlerischen Bearbeitung der Werte und Taten des Westens die von Überlegenheit getragene Blickrichtung  des Westens auf den Orient mit einer Untersuchung des Westens in Frage, sodass sich Unterschiede zwischen Orient und Okzident im Vergleich einebnen. Olcaytu tut dies beispielsweise, indem sie Architektur-, Presse- und Familienbilder zu ironischen Kommentaren über westliche Gebräuche inszeniert.

Ebenso spannend ist die von Christine Niehoff gezeigte Installation „Galaxy Homes 2013“. Damit bietet sie die Immobilien der Zukunft feil, die mit der Endzeit auf der Erde für zahlungskräftige Kunden als Fluchtpunkte bereitstehen. Schließlich muss ja der Wettlauf um die Eroberung des Alls einen Sinn machen.

Gewaltig in Ausdruck und Bewegtheit ist die Arbeit „Two Boys“, (Acrysstal,100x100x60) der 1984 in Birmingham geborenen und in Neukölln lebenden Bildhauerin Lucy Teasdale.   Die Künstlerin entwickelt ihre Skulpturen mit ihrer plastischen Formensprache ausgehend von Fotografien.

Bemerkenswert ist auch die künstlerische Arbeit der 1978 in Berlin geborenen Künstlerin Yvonne Chabrowski. Sie reinszeniert mit Darstellern Video-Bilder, die wir aus den Medien kennen. So stellt die Arbeit „Afterimage I / Protest, 2013, HD–Loop, 20min, Videostill, eine Szene nach, die sich auf Demonstrationen in Kairo oder in Istanbul beziehen lässt. Eine weitere Arbeit der Künstlerin mit dem Titel „Dramatische Funde im Schutthaufen“ zeigt das Museum Neukölln im Foyer des Kulturstalls  auf dem Gutshof Britz am 10. November ab 11.30 Uhr. Hier geht es um die polizeiliche Spurensuche in den Trümmern des Hauses der Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU). Zusammen mit der Künstlerin wird in einer Gesprächsrunde mit der Spiegel-Journalistin Özlem Gezer, der Schriftstellerin Esther Dischereit sowie dem Politologen Prof. Dr. Minkenberg erörtert, welche Folgen die NSU-Morde für die Demokratie haben und welche Konsequenzen staatliche Organe sowie die Öffentlichkeit daraus ziehen sollten.

KÖRNELIA GOLDRAUSCH 2013

bis 10. 11. 2013

Partnerprojekt der Berlin Art Week

Arbeiten von Clara Brörmann, Lysann Buschbeck, Yvon Chabrowski, Dalila

Dalléas Bouzar, Kati Gausmann, Rieko Hotta, Eva Kietzmann, Cristina Moreno

Garcia, Christine Niehoff, Kınay Olcaytu, Sophia Pompéry, Henrieke Ribbe,

Konstanze Schmitt, Tine Schumann, Lucy Teasdale

Kuratiert von Birgit Effinger und Hannah Kruse

So, 10.11., 17 Uhr, Finissage mit Tanztee

Künstlerinnen führen durch die Ausstellung

Sa, 02.11., 17 Uhr (deutsch)

 

Angriff auf die Demokratie

Die NSU-Morde und ihre Folgen.

Präsentation der künstlerischen Installation „Dramatische Funde im Schutthaufen“ von Yvon Chabrowski und anschließende Gesprächsrunde mit der Künstlerin, Esther Dischereit, Özlem Gezer und Prof. Dr. Michael Minkenberg. Moderation: Dr. Udo Gößwald (Leiter des Museums).

10. November, 11:30 Uhr 
Foyer Kulturstall Britz, Alt-Britz 81 (Gutshof Britz), 12359 Berlin

Der Eintritt ist frei.

 

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