Rudow weltoffen, spannend und bunt

20.10.2022 10:40 von Redaktion

Rudow wird seit 2008 immer wieder von Brandanschlägen Rechtsextremer heimgesucht. Sie haben ein Ziel: Die friedlich in Rudow zusammenlebende Gesellschaft zu spalten und Hass zu schüren, der in weitere Gewalt mündet. Aber die Rudower ziehen sich keine Schuhe an, die ihnen nicht passen und zeigen Gesicht. Und so stieß ein Aufruf der Initiative „Rudow empört sich“ - Gemeinsam für Respekt und Vielfalt!“, für ein weltoffenes Rudow Gesicht zu zeigen, in Rudow auf sehr große Resonanz. Mit den Porträts wurde eine Postkarte erstellt, die nun in Rudows Geschäften und weiteren Stellen ausliegt. Pfarrerin Beate Dirschauer von der Evangelischen Kirchengemeinde Rudow hat zur Postkarte ein Plädoyer für Rudow verfasst, wie auch wir es kennen und lieben:

RUDOW WELT OFFEN - POSTKARTE

Rudow, dieser besondere Stadtteil zwischen Schönefeld und Nord-Neukölln, trägt in sich noch viele dörfliche Züge. Hier steht die Kirche noch „mitten im Dorf“, hier werden Kinder getauft, wo einst ihre Großeltern getauft wurden, hier heiraten Paare, deren Eltern hier geheiratet hatten. Hier treffen sich Menschen am Samstag und Mittwoch auf dem Wochenmarkt. Man kennt sich. Irgendwie. Oder immer schon. In Alt-Rudow, der Hauptstraße vor Ort, findet sich so manches Geschäft, das es immer schon gegeben zu haben scheint. Und mittendrin die historische Gaststätte „Zum Alten Krug“. Hinter ihm der Turm der Dorfkirche - wie eine Burg! „Unser Rudow“ sagen viele alte, tiefverwurzelte Menschen, mit denen ich in der Kirchengemeinde zu tun habe. Menschen, die hier zur Welt kamen und diesen Ortsteil Berlins nie verlassen haben. „Unser Rudow“ – das sagen genau so Menschen, die in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts hier ihre Häuser gebaut haben. Damals, im Schatten der Berliner Mauer. Männer und Frauen, die es mit ihren Kindern aus Kreuzberg, Neukölln oder anderen Westberliner Innenbezirken ins Grüne gezogen hat. Denn hier gab es bezahlbare Grundstückspreise, hier konnte das Glück vom eigenen Heim gut realisiert wer den. 

Unser Rudow!“ Das sagen unterdessen aber auch viele junge Familien, die in den letzten Jahren hierhergezogen sind! Sei es ins Haus der Eltern, oder aber in ein neues Haus, das sie sich gebaut haben! Menschen, die sich in der Kirchengemeinde, bei der Feuerwehr, in einem der Sportvereine oder Schulen engagieren. Eltern, die das Familienzentrum aufsuchen und eine der ortsvertrauten Kitas die ihre nennen. Familien, deren Kinder hier zusammen mit anderen Kindern unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur in einer der Grundschulen das Lesen und das Schreiben lernen. Vielleicht auf der Matthias-Claudius-Grundschule, die ja auch schon immer da gewesen scheint! Dabei war sie erst Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts der stolze Neubau hinter Großbauer Massantes Hof, und unweit des Kirchhofs in der Köpenicker Straße. Ein dringend erforderlicher zudem, denn die „Alte Dorfschule“, jetzt bekanntes Kulturzentrum, war längst zu klein für die Rudower Kinder geworden.

Unser Rudow“ hat sich verändert. Machen wir das mal kulinarisch fest: Es gibt hier nicht mehr nur den „Alten Dorfkrug“ mit seiner leckeren deutschen Hausmannskost. Nein, Rudower gehen schon lange gerne ins Novi Sad serbisch essen, zu einem der Italiener, oder speisen beim Griechen im Frauenviertel. Wir kaufen uns Burger neben dem alten Dorfteich, bestellen für zu Hause indisches Essen, auch mal japanisches Sushi, oder stillen den Hunger mit einem Kebab drei Häuser weiter. Aber es geht noch weiter, Rudow wird immer internationaler: Wir kaufen Blumen beim Vietnamesen, wir genießen eine Thaimassage, wir treffen uns mit muslimischen Geschwistern zum interreligiösen Stammtisch. Wir zählen syrische Geflüchtete zu unseren neuen Freunden, unterstützen pakistanische junge Männer, die hier eine Ausbildung machen und zu bleiben hoffen, wir feiern mit ukrainischen Gästen Geburtstage und begleiten sie auf die Ämter, dass sie sicher wohnen können in unserer Stadt. 

Menschen, aus unzählig vielen Ländern kommend und mit ganz unterschiedlichen religiösen Bindungen haben hier in Rudow Fuß gefasst und Wurzeln geschlagen, haben Häuser gebaut und Bäume gepflanzt. Auch sie sagen schon jetzt oder hoffentlich irgendwann: „Unser Rudow!“ Das ist schön so. Und das passt: Denn seit der Eröffnung des BER ist unser Rudow der Stadtteil in Berlin, in dem Menschen aus aller Welt aus dem Bus fallen und mit der „U-Bahn“ Richtung downtown Berlin fahren. Rudow gewährt einen ersten Eindruck unserer Metropole. Das ist Gabe und Aufgabe zugleich für uns Rudower. 

Als Zeichen der Weltoffenheit, der Gastfreundschaft, als Zeichen aber auch der bestehenden Diversität haben viele Rudower Bürger Gesicht gezeigt und sich für eine Postkarte der Initiative „Rudow empört sich“ – Gemeinsam für Respekt und Vielfalt! von der Fotografin Margrit Rosenberger oder von mir fotografieren lassen. 

Mit dem Satz RUDOW WELT OFFEN ist die Postkarte unterzeichnet. Es wird nur ein kleiner Ausschnitt der Bürgerinnen und Bürger gezeigt wird, die diese Weltoffenheit vor Ort begrüßt. Es waren erfreulich viele Gesichter, die sich dazu bereiterklärt hatten! Vielen Dank dafür! Sie alle freuen sich mit Sicherheit auch darüber, dass Rudow, dieser besondere Stadtteil zwischen Schönefeld und Nord-Neukölln, in sich noch viele dörfliche Züge trägt. Beides geht zusammen. Wir freuen uns, diese Postkarte an verschiedenen Stellen hier in Rudow kostenlos für Sie auslegen zu können. Nehmen Sie sie mit, zum Anheften am Kühlschrank, zum Versenden, zur Erinnerung! 

Im nächsten Jahr werden wir zusammen mit allen, die hier wohnen und interessiert sind, das Jubiläum „650 Jahre Rudow“ feiern. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Das wird interessant! Es hat sich viel verändert, immer schon, auch hier, und genau das macht unser Leben doch spannend und bunt. Bleiben wir zusammen auf dem Weg, mit Neugierde und Interesse füreinander und in Respekt und Vielfalt!“

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben