Stiftungswoche eröffnet: Würdig leben in Berlin – bis zuletzt

20.04.2016 10:18 von Stephanus Parmann

Hier am Orchideenweg könnte ein neues Hospizzentrum entstehen

Im Rahmen der Berliner Stiftungswoche stellt die Ricam Hospiz Stiftung das Konzept für Berlins erstes palliatives Tageszentrum vor. Die öffentliche Veranstaltung findet am 27. April 2016, 18.30 – 20.00 Uhr im Campus Efeuweg statt (Efeuweg 34, 12357 Berlin, Eingang Fritz-Erler-Allee). Als Gastredner wird Prof. Dr. Dabrock (Mitglied des Deutschen Ethikrats) über die Bedingungen würdigen Sterbens sprechen, so die Stiftung. Sein Vortrag lade dazu ein, mit Vertretern des palliativen Netzwerks Berlin-Süd ins Gespräch zu kommen, darunter die Chefärztin der Bereiche Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Vivantes Klinikum Neukölln, Frau Prof. Dr. Maike de Wit.

Mit dem geplanten Tageszentrum in Rudow will die Ricam Stiftuung die ambulante und stationäre Hospizlandschaft ergänzen. Eingebettet in ein Netzwerk von Kliniken, Praxen, Pflege- und Hospizdiensten, soll dieses Zentrum lebensverkürzt erkrankten Menschen ermöglichen, tageweise das Zentrum zu nutzen, am sozialen Leben teilzuhaben, lindernde Therapien zu erhalten und häuslich entlastet zu werden. Von dieser fach- und sektorenübergreifenden Netzwerkarbeit werde laut Ricam Hopsiz immer stärker abhängen, ob Patienten palliativ gut versorgt seien, um unter würdigen Bedingungen bis zu letzt leben zu können.

Das Zentrum soll auf einem gepachteten Grundstück in Berlin-Rudow entstehen. Für den Bau, der mehr als 2 Millionen Euro kosten wird, wirbt die Ricam Hospiz Stiftung um Spenden und Zustiftungen. 1998 entstand auf ähnliche Weise durch bürgerschaftliches Engagement und Spenden das erste stationäre Hospiz Berlins – das Ricam Hospiz.

d.E.L.P.H.i.N. hilft schwerkranken Menschen, denen nur noch wenige Tage oder Wochen bleiben, zu Hause und entlastet dabei sie und ihre Angehörigen durch Beratungsangebote und Begleitung. Für diese Menschen gibt es in Berlin einige Angebote: 14 stationäre Hospize und 27 ambulante Hospizdienste stehen ihnen zur Seite. Doch die vielen Menschen, die sich in einem früheren Stadium einer unheilbaren Erkrankung befinden, leben „in einer Zwischenwelt unseres Gesundheitswesens“, so das Ricam Hospiz. Das, so Ricam, „sind schwerkranke Menschen, die oftmals trotz ihrer großen körperlichen Schwäche einen Facharzt aufsuchen müssen“, weil sie noch nicht krank genug sind, damit ein Palliativmediziner zu ihnen nach Hause kommt. Betroffen sind auch Menschen, die nicht an Krebs leiden, aber anderen ebenso bedrohlichen Erkrankungen, was aber den Zugang zu palliativmedizinischer Versorgung erschwert. Beispielsweise bei Menschen mit Herz-, Leber- oder Lungenerkrankungen im Endstadium, falle es Arzt und Patienten oft schon schwer, zu definieren, dass das Leben absehbar begrenzt ist, so Ricam Gründerin Dorothea Becker. Unter ihnen finden sich oft noch junge Menschen bei denen der Partner berufstätig ist, und mitunter müssen noch Kinder versorgt werden. Oder wenn sie Single sind, ist ihr einziger Kontakt oftmals der Pflegedienst, der morgens und Abends hereinschaut und sie an eine Infusion anhängt, wobei sie dann an die Wohnung gekettet sind. Es sind Menschen, die noch die Hoffnung haben, zu gesunden, aber sich allein und vom sozialen Leben abgeschnitten fühlen und deren Ängste wachsen. Für all diese Menschen will Ricam mit d.E.L.P.H.i.N. im Orchideenweg 77 in Rudow ein Zentrum errichten, das tagsüber und nachts den Patienten und deren Familien offen steht. Entlastung, Lebensgestaltung und Teilhabe am Leben stehen dabei im Vordergrund und sollen trotz schwerer Krankheit möglich sein.        

Die Ricam Hospiz Stiftung ist Trägerin des stationären Ricam Hospizes in Berlin-Neukölln und des palliativen Hilfsdienstes d.E.L.P.H.i.N., einem Besuchs- und Beratungsdienst für Menschen mit einer lebensverkürzenden Erkrankung. Hinzu kommen zahlreiche Bildungsangebote, die sich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben beschäftigen und sich an Grundschulkinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen richten.

Die Ricam Hospiz Stiftung wurde 2011 gegründet, um die soziale Trägerschaft aller Ricam-Hospiz-Angebote zu übernehmen. Mitglied im Kuratorium der Ricam Hospiz Stiftung sind unter anderem die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Dr. Franziska Giffey, der Stadtrat für Jugend und Gesundheit, Falko Liecke und die Geschäftsführung der Wohnungsbautengesellschaft Stadt und Land, das sind derzeit Ingo Malter und Anne Keilholz.

 

 

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