NICHT VON HIER IRGENDWO

11.01.2019 (19:30)

Dieser Termin wiederholt sich jeden 1. Tag bis zum 12.01.2019.

»Johannes Wenzel und Matthias Naumann betrachten ihr variables Kollektiv als Aufforderung, gemeinsam eine ansprechende Theaterform für ihre politischen Recherchen zu finden. (...) Sie schaffen es tatsächlich, aus biografischen Bruchstücken ein vielgestaltiges Mosaik von der Existenz der zufällig in Deutschland Gestrandeten zu entwerfen.«
(Eva-Elisabeth Fischer, SZ)

Es handelt sich um eine Zeit der Widersprüche und des Dazwischen, die ersten Jahre nach der Shoah, als sich viele der jüdischen Überlebenden ausgerechnet in Deutschland, zumeist in der amerikanischen Besatzungszone, wiederfanden. Erstmals nach Jahren wurde ihr Handeln nicht durch Verfolgung, Zwangsarbeit oder KZ bestimmt, sondern sie hatten die Möglichkeit, wieder selbst ihr Leben zu entwerfen. An diesem Nicht-Ort Deutschland und mittellos bis auf ihre Erfahrungen, Bildung und Kenntnisse lebten viele der jüdischen Displaced Persons nun wie Flüchtlinge. Sie waren vor den Deutschen gerettet, aber noch nicht in ein neues Leben entkommen. Ihre Lebenssituationen und die kontingenten, unvorhersehbaren und zufälligen Möglichkeiten, Begegnungen und Bedingungen, die diese bestimmten, stehen im Fokus einer szenischen Auseinandersetzung mit diesem meist vergessenen Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Auswanderung in den neu zu gründenden Staat Israel, aber auch in die USA oder in andere Länder bestimmte Hoffnungen und Pläne, die sich häufig aus zufälligen Begegnungen einerseits und andererseits bürokratischen Bestimmungen erfüllten oder auch zerschlugen. Neue Beziehungen, schnelle Familiengründungen und neugeborene Kinder bestimmten das Leben ebenso wie der Verlust zahlreicher ermordeter Angehöriger und die vergebliche Suche nach ihnen, das Trauma der Verfolgung und aus dem KZ mitgebrachte Krankheiten. Der Alltag war geprägt durch die Suche nach einem »Loch im Zaun«. Strukturen des Aufschubs und des Wartens wurden bestimmend, während das Leben irgendwie weiterlief und Verbindungen, Entscheidungen, Verpflichtungen schuf zwischen Bürokratie und Hoffnung: Gemeinschaften im Aufschub. All dies spiegelt sich in den Erinnerungen von Überlebenden der Shoah, die aus den KZs kamen, sowie denen der großen Gruppe osteuropäischer Jüdinnen und Juden, die rechtzeitig in die Sowjetunion fliehen konnten und dort überlebt hatten. Für alle führte der Weg in ein neues Leben absurderweise über Deutschland. Hier entstand in den Displaced Persons Camps noch einmal für einen kurzen Moment eine ostjüdische Kultur, welche von Deutschen in den Jahren zuvor zerstört worden war.
Gedichte und Erzählungen der jiddischen Literatur aus den DP-Camps bilden neben den in verschiedenen Archiven schriftlich und videografisch aufgezeichneten Erinnerungen von Displaced Persons eine weitere Materialgrundlage der Aufführung. Aus den aufgezeichneten und den neu erzählten Erinnerungen, aus jiddischen Texten sowie Bildern und Videoaufnahmen entsteht das bruchstückhafte Mosaik von Lebenssituationen des Dazwischen.

von www.futur-ii-konjunktiv.de

Mit: Alexandra Finder, Friedericke Miller, Johannes Suhm
Recherche, Text, Regie: Matthias Naumann, Johannes Wenzel
Video, Bühne, Licht: Rosa Wernecke
Bühne, Kostüme: Charlotte Pistorius
Recherche, wissenschaftliche Beratung: Lea Wohl von Haselberg

Eine Produktion von Futur II Konjunktiv
Gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“.
EINTRITT 
Vorverkauf: 14,00 €, ermäßigt: 8,00 € inkl. Gebühren
Abendkasse: 14,00 €, ermäßigt: 8,00 € inkl. Gebühren
KARTEN 
Ticket-Vorverkauf: Mo-Fr 10:00 Uhr - 17:00 Uhr
Die Abendkasse öffnet um 18:00 Uhr

Tickets gibt es online oder an allen bekannten Konzert- & Theaterkassen
Tel 56 82 13 40 oder karten@heimathafen-neukoelln.de

TERMINE 
Freitag, 11.01.2019, 19:30 Uhr   
Samstag, 12.01.2019, 19:30 Uhr   
Freitag, 01.02.2019, 19:30 Uhr   
Samstag, 02.02.2019, 19:30 Uhr   

 

 

 


...

 

Zurück