„Das ist Musik auf der Zunge“

15.02.2017 20:09 von Stephanus Parmann

Hans Hunger bietet auf dem Rudower Markt Thüringer Wurstspezialitäten und internationale Käsespezialitäten

„Sie wird in der Nacht in Thüringen produziert, ist gegen 4.00 Uhr in Berlin und steht morgens Punkt 8.00 Uhr in der Prierosser Straße auf dem Rudower Markt für meine Kunden abholbereit“, sagt Hans Hunger zu seiner original Thüringer Bratwurst. Hans Hunger ist ein wahrer Botschafter echter Thüringischer Metzgerkunst. Seit 16 Jahren fährt er nun auf Märkte, seit fünf Jahren ist er auch auf Rudows Markt mit Wurstspezialitäten aus Thüringen präsent. Einer, der ihm von Beginn an die Treue hält, ist Klaus Schönig. „Ein einzigartiger Mensch“, urteilt er. Schönigs Favoriten: Pfeffersalami, Thüringer Weisswürste, die „wunderbaren Hartwürste und der Ziegenkäse. Sie können sich hier von vorne bis hinten durchessen“, rät er uns und deutet mit dem Finger auch auf das interessante Angebot an Käse. „Hans Hunger ist ein netter Mensch, er ist immer freundlich und erfüllt einem jeden speziellen Wunsch, ergänzt Günter Luhmann. Er schwört auf die Thüringer Bratwurst und schätzt es, dass ihm Hansi Hunger jede Wurst millimetergenau auf Maß schneidet.

1 gr vor darme czu brotwurstin“ (1 Groschen für Bratwurstdärme) heißt es in einer Propstei-Rechnung des Arnstädter Jungfrauenklosters von 1404. Das ist der älteste Nachweis für die Existenz der Thüringer Bratwurst. Mit ihr hat sich in Thüringen über die Jahrhunderte eine  Kunst des Wurstmachens entwickelt, die bis heute unvergleichlich ist, wie allein das große Spezialitäten-Angebot von Hans Hunger zeigt. Mit sicherer Hand zaubert Hans Hunger die Creme de la Creme der thüringischen Metzgerkunst hervor und präsentiert sie seinen Kunden auf dem Markt. 90 Prozent von ihnen sind Stammkunden, so wie Herr Gohlke. Er ist regelrecht begeistert: „Ich mag alles, alles ist qualitativ sehr gut: der Lachsschinken und der Kochschinken – die Wiener Würstchen hole ich mir für unterwegs. Alles hier ist vom Feinsten“, betont er. Hans Hunger jedenfalls freut sich sehr über das Kompliment und ist durchaus stolz auf seine Ware. „Wir führen die beste lose Fassbutter“, sie kommt aus Schleswig-Holstein, verrät er. Mehr aber nicht. Nur, dass er hie und da noch einige Spezialitäten für seine Kunden zu bieten hat, die nicht aus Thüringen kommen, so wie ein exzellenter Serranoschinken, natürlich aus Spanien.

 „Das ist Musik auf der Zunge“, schwärmt Herr Billik. Er kommt stets mit Frau Berger aus Britz nach Rudow, um bei Hans Hunger einzukaufen. Sein Favorit: Die scharfe 8. Das ist eine Schnittkäsespezialität aus Schleswig-Holstein, ein Tilsiter, der 8 Monate in Naturrinde reift und eine raue und kernige Note hat, die sicher allen gefällt, die Käse mögen und das Scharfe lieben. Wer es lieber zart und aromatisch auf der Zunge mag, greift zum schnittfesten Ziegenkäse und zur Gänsebrust, beide schmecken traumhaft, wie uns einige Kunden erzählen. Hinzu kommt: Wer für mehr als 15 € einkauft, bekommt 5 Prozent Rabatt auf seinen nächsten Einkauf, erfahren wir. 

So, nun haben uns die Stammkunden aber mächtig Appetit gemacht. Wir testen erst einmal die spezielle Leberwurst, die es nur bei Hans Hunger und nur in der kalten Jahreszeit gibt. Die Leberwurst schmeckt ausgewogen und ist ein Traum, zubereitet mit Bratapfel und Zwiebel, gewürzt mit Zimt und Honig. Herrlich schmeckt auch die ohne Fett gebratene Boulette, die durch und durch aromatisch und saftig ist. Ein weiteres Highlight ist die zarte Gänsebrust und  ein unbedingtes Muss ist die doppelt geräucherte Blutwurst mit Fleisch und Speckstückchen, die aus dem berühmten Arnstadt kommt. Das ist der Ort, an dem Johann Sebastian Bach (1685-1750) im Jahr 1703 seine erste Organistenstelle antrat. Nur fünf Kilometer westlich von Arnstadt entfernt, feierte der Verein „Freunde der Thüringer Bratwurst“ in Holzhausen im vergangenen Jahr das 10jährige Jubiläum des Bratwurstmuseums. Hier kann man sehen, mit welcher Sorgfalt bereits vor  Jahrhunderten die Thüringer Bratwurst hergestellt wurde. Und wer Lust hat, nimmt teil am Bratwurst Song Contest, an der sportlichen Bratwurstiade oder besucht das Bratwursttheater. Dem Museum zufolge befindet sich das älteste Rezept der Thüringer Bratwurst im Staatsarchiv Weimar und ist Teil der „Ordnung für das Fleischerhandwerk zu Weimar, Jena und Buttstädt“ vom 2. Juli 1613. Ein weiteres Rezept soll das „Thüringisch-Erfurtische Kochbuch“ aus dem Jahr 1797 enthalten, sogar eine geräucherte Variante werde dort erwähnt. Selbstverständlich findet sich hier auch die Kopie des ältesten Nachweises für die Existenz der Thüringer Bratwurst. Ja, Liebe geht durch den Magen, und insofern macht Hans Hungers exzellente Auswahl an Thüringer Wurstspezialitäten auch Lust auf einen Besuch des schönen Bundeslandes.

 

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