Einfach ein Gedicht: Götzes Currywurst

26.02.2016 15:09 von Stephanus Parmann

„Ich liebe diesen Ketchup“, sagt der Rudower Wolfgang Kramer und beißt genüsslich in seine Currywurst. Kramer lebt seit 1954 in Rudow und kommt, wie er sagt, seitdem regelmäßig zum Wochenmarkt. Und dabei darf eine Station nicht fehlen: Das ist der Imbiss der Familie Götze. Neben Herrn Kramer finden sich an diesem Samstagvormittag Ende Januar trotz Nieselregen jede Menge Stammkunden aus allen Altersklassen und Schichten hier in der Prierosser Straße zwischen Köpenicker Straße und Krokusstraße ein und plaudern in lockerer Atmosphäre über dies und das. Man kennt sich und teilt eine Leidenschaft: Götzes Currywurst. Warum das so ist, versteht jeder, der das Rudower Original einmal probiert hat. Allein der hausgemachte Ketchup schmeckt unwiderstehlich gut, hat einen fruchtig-frischen tomatigen Geschmack, eine feine Säure und ist vollkommen ausgewogen in der Note zwischen süß und sauer. Das geht nur mit sehr guten Zutaten und ohne Konservierungsstoffe. Auf unsere spontane Frage, was da drin ist, kennt Jürgen Götze nur eine treffende Antwort: „Geheimsache“. Schließlich ist das Wissen um die Rezeptur des Ketchups das Kapital der Stars am Berliner Currywursthimmel. Dass Jürgen Götze den Ketchup für seine Kunden auch zum Mitnehmen anbietet, versteht sich bei dieser Qualität von selbst. „Wir bereiten den Ketchup nach altüberliefertem Rezept selbst frisch zu und bieten ihn in Flaschen zum Verkauf an“, sagt er. 

Damit die Currywurst zum Hochgenuss wird, braucht sie natürlich eine gute Grundlage. Und das ist die Wurst an sich. In unserem Fall handelt es sich um eine Bockwurst aus dem Hause  J. Baum & R. Lehmann aus Lichtenrade. Die ging als eindeutiger  Sieger aus einem Testessen hervor, das im Jahr 2002 stattfand. Damals hatte Jürgen Götzes Sohn André „Arnos Imbiss“ am U-Bahnhof Britz übernommen, den er bis heute erfolgreich führt. Um herauszufinden, welche Wurst den Menschen am besten schmeckt, wurden kurzerhand unzählige Stammkunden von „Arnos Imbiss“ zu einem  Festessen im Garten der Rudower Familie Götze eingeladen. Ihr Urteil fiel eindeutig und für uns vollkommen nachvollziehbar auf die Wurst der Fleischerei J. Baum & R. Lehmann. So gibt es diese fortan in Britz und natürlich beim Vater Jürgen Götze in Rudow, der im Januar 2012 den traditionellen Imbiss-Wagen auf dem Rudower Wochenmarkt übernommen hat. Allein die Wurst ist schon ein Gedicht: Fest im Biss und topp in der Konsistenz, zergeht sie einem regelrecht auf der Zunge. Gut, dass wir noch das schön geröstete Brötchen haben, damit lässt sich auch der Rest des köstlichen Ketchups dippen. Dazu noch einen Softdrink aus der großen Auswahl an Getränken und perfekt ist der erste Gang unseres 2. Frühstücks. Oben drauf gibt es heute allerdings noch eine Boulette. Auch die stammt, wie alle Wurst hier, natürlich auch von Baum & Lehmann, die täglich frisch liefern. Kross gebraten ist die Boulette sehr gut in Konsistenz und Biss und hat dabei einen unverwechselbaren Geschmack, den wir als Bouletten-Liebhaber bislang noch nicht kannten. Dabei signalisieren uns die Geschmacksnerven, dass hier jemand lange und erfolgreich an der richtigen Gewürzmischung gearbeitet hat. Kompliment: Hier schmeckt alles so gut wie früher auf dem Land, als die Massenindustrie noch nicht vorherrschte. Ja, das macht eben auch das Rudower Marktleben aus, dass wir hier regionale und unverwechselbar gute Produkte finden, die es sonst so kaum noch gibt. Grund genug für uns, aus der kleinen Auswahl an Wurst eine Blut- und Leberwurst samt Sauerkraut mit nach Hause zu nehmen. Schon der Duft der Wurst lässt uns ahnen, was sich später bewahrheitet: Hohe Metzgerkunst. Ob Pommes, Wiener, Boulette, Schnittwurst oder Curry-Wurst mit und ohne Darm. Die Rudower sind zu beneiden: Familie Götze bietet ihnen vor ihrer Haustür mit diesem Angebot ein Stück Genuss und Lebensqualität.  

Stephanus Parmann

 

   

 

 

 

 

 

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