Schumacher Geflügel: Wo Huhn wie in alten Zeiten schmeckt

31.01.2017 14:09 von Stephanus Parmann

Was steckt dahinter, wenn ein Hähnchen so lecker wie früher schmeckt? Marina und Lutz Sattler, die mit ihrem Geschäft „Schumacher Geflügel“ auf dem Rudower Markt jede Menge Stammkunden bedienen, haben darauf eine treffende Antwort. Und die heißt Kikok. Hinter dem Fantasienamen, der das Kikeriki eines vitalen Hahns mit dem „Coq“ (französisch: Hahn) eines fleischigen Hähnchens für Feinschmecker verbindet, verbirgt sich das intelligente Aufzuchtkonzept einer Erzeugergemeinschaft kleinerer Bauern, das dem Geflügel einen hervorragenden Geschmack garantiert.

Verbraucherschützer verkünden es schon lange, und Bauern vom alten Schlag haben es immer gewusst: Der Geschmack eines Huhns, sein herrliches Aroma, das uns schon als Duft so wundervoll in der Nase liegt, wird genau wie seine Farbe und seine Zartheit wesentlich bestimmt durch die langsame und schonende Aufzucht des Geflügels. Sie garantiert bei Kikok zusammen mit einem für die Tiere schmackhaftem Futter aus genfreiem Mais und Getreide sowie reichlich Bewegung, dass die Hühner einen ausgewogenen Anteil an Fettgewebe zwischen den Muskeln haben. Und genau diesen Unterschied zur Turbomast schmeckt man auch! Hinzu kommt, dass die Kikok-Hühner ihr Leben mit Beschäftigungsmöglichkeiten wie Strohballen, Picksteinen, Einstreuautomaten und Schaukeln versüßen, was den Einsatz von Antibiotika überflüssig macht. Falls nun aber doch ein Tier zu seinem Wohle eine Behandlung braucht, fällt es aus dem Kikok-Programm und gelangt nicht auf den Tisch. „Qualitätsfleisch zu verkaufen war uns ein Bedürfnis! Nicht nur, dass es viel besser schmeckt, genauso wichtig ist uns das Tierwohl“, betonen die Sattlers. Ferner verkaufen sie nichts, „was nicht vorher vom „Familienrat“ verkostet und für gut befunden wurde“. Gut so, denn das Resultat lässt sich sehen. „Unsere ganze Familie kauft hier ein - das Geflügel und Fleisch schmeckt einfach, von der Oma bis zum Enkel sind alle begeistert“, erzählt Benjamin Tomys. Er schwört auf die Maishähnchenbrust, die Geflügelleberwurst und den Flusskrebssalat. „Der ist der Beste vom ganzen Markt“, mischt sich eine Frau mit ihrem Urteil über Schumacher Geflügel ein und betont, dass sie hier jede Woche ihr Geflügel holt. Herr und Frau Schwantes wiederum schätzen neben dem sehr guten Angebot auch den Bestellservice: Sie werden auch in diesem Jahr wieder ihre Weihnachtsgans hier ordern, verraten sie uns. Heute allerdings stehen Hähnchenschenkel, Suppenhuhn und Eier auf dem Einkaufszettel.

Außer Geflügel kann auf Wunsch auch Wild aus heimischen Wäldern bei den Sattlers bestellt werden, beispielsweise Rehrücken. Nun, wer auf dem Markt zufriedene Kunden gewinnen will, muss etwas Besonderes anbieten. Das hat Lutz Sattler von seiner Schwiegermutter Gertraude Schumacher gelernt. Sie hat von Geburt an Marktluft geschnuppert. Denn bereits ihre Großmutter hat Neuköllner Marktgeschichte geschrieben. Sie war es, die den bis heute erfolgreichen Markt am Maybachufer mitgegründet hat, „damals noch mit Obst und Gemüse“, erzählt Lutz Sattler. Das wiederum führte die Mutter von Gertraude weiter und war als „Tante Anna“ ebenfalls ein Neuköllner Markt Ur-Gestein. Seit 1956 stand Gertrude Schumacher dann selbst bei Wind und Wetter an ihrem Wurst- und Fleischwarenstand auf dem Markt in Britz-Süd und der Fritz-Reuter-Allee, bis sie Mitte der 80er Jahre in den wohlverdienten Ruhestand ging. Der jedoch hielt nicht lange an. Sie kehrte als Verkäuferin zurück und verkaufte nun Eier und Geflügel auf dem Markt Wutzkyallee. Als der Standbetreiber 2007 aufhörte, hatte sie immer noch keine Lust auf Ruhestand und machte sich schließlich mit Lutz Sattlers Hilfe wieder selbständig. Bis 2015 stand er noch mit der alten Dame auf dem Markt, da war sie schon 91 und die älteste Markthändlerin Berlins.

Neben Geflügel aller Art aus artgerechter Aufzucht und leckeren Salaten wie Fleisch- Geflügel-, Eier- und Fischsalaten, findet der Feinschmecker bei Schumacher auch Spreewälder Wurstspezialitäten sowie Schwein, Lamm und Rind aus artgerechter Aufzucht der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Das Schwäbisch-Hällische Landschwein geht auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück. Der hatte um 1820 der Landeszucht einige chinesische Maskenschweine zugeführt, die die Württembürger wegen ihrer charakteristischen Färbung „Mohrenköpfle“ nannten. Die allerdings sind robust, stressresistent und liefern ein zartes und saftiges Fleisch mit einer natürlichen Speckauflage und einem unvergleichlich guten Geschmack. So sind wir Fans der saftigen Kotellets geworden. Die sind ebenso unwiderstehlich gut wie das Gänserillettes, das uns Lutz Sattler heute zum probieren reicht. 

 


 

 

 

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